Übernahme aus dem Nachtdienst auf der ITS

Übergabebericht zu abwehrendem / aggressivem Verhalten eines intensivpflichtigen Patienten (postoperatives Delir) - pflegerischer Umgang in solchen Situationen sowie Kommunikation unterschiedlicher Sichtweisen im Team

Gliederung

Der Fall

Als Pascal Mertens an diesem Morgen nach einem verlängerten Freiwochenende seinen Dienst auf der Intensivstation antritt, begegnet ihm seine neue Kollegin Laura Schmidt in der Übergabe hochgradig gereizt. „Mit dem Sokolow war es überhaupt nicht auszuhalten, der ist sowas von aggressiv, schlägt um sich, hat mir hier einen blauen Fleck verpasst, der sich gewaschen hat. Das ist in der Nacht immer schlimmer geworden, er hat rumgeschrien, an den Zu- und Abgängen gerissen und sich auch selbst gefährdet. Ich habe zunächst die Dosis Haldol erhöht und dann fixiert, wozu ich mir Hilfe von Jenny holen musste. Mit dem ist wirklich nicht zu spaßen, und eine Kraft hat der. Das man sich bei dieser Hektik, die hier inzwischen auch im Nachtdienst herrscht, auch noch mit solchen Typen rumschlagen muss.“

„Nun fahr dich mal runter, ist doch jetzt wieder alles gut.“ – „Aber wieso, ich hab doch recht, früher waren wir zu fünft im Nachdienst und heute müssen wir die gleiche Arbeit zu dritt machen. Die Patienten sind nach OP auch sehr schnell sehr nervig fragend, die ganze Maschinerie, invasives Monitoring, fast alle Patienten sind zumindest zeitweise katcheolaminpflichtig, postoperativ beatmet, Durchgangssyndrom bla bla bla. Personalbemessungsgesetz, von wegen!“

Nachdem Laura den Raum verlässt greift sich Pascal Mertens zunächst die Dokumentation des Patienten: Herr Jaroslaw Sokolow, 56 Jahre, am gestrigen Tag  VATS-Lobektomie aufgrund eines Bronchialkarzinoms. Entfernung  des linken Oberlappens. Die OP ist komplikationslos verlaufen.  Naht ca. 4 cm. Zwei Bülaudrainagen minimal gefördert. DK liegt und fördert. VW am zweiten Post-OP Tag geplant. Verlegung auf Normalstation am Nachmittag nach Absprache geplant.

Anschließend geht er zu dem Patienten, kontrolliert die (Bülau)Drainagen und den kardiopulmonalen Status. Pascal klemmt ihm vorsichtig eine Handtuchrolle zwischen Oberarm und Brust. Herr Sokolow wirkt übermüdet und ängstlich.

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Sequenz 5 – Erfahrungsbericht einer Fachkraft für Intensivpflege:

Marc Alexander Knoll

Manchmal funktioniere ich einfach …

Auch an mir selber stelle ich erstaunt solche Mechanismen fest. Es gibt Tage, an denen ich funktioniere. Dies bedeutet nicht, dass ich meinen Job nicht richtig mache! Ich betreue meine Patienten und deren Angehörige fachlich und menschlich zuvorkommend und korrekt. Routiniert, wenn man es so nennen möchte.

An manchen Tagen stelle ich aber an mir selber fest, dass ich den Menschen im Bett aus dem Blick verliere. Ich sehe nicht mehr die Person mit einer eigenen Geschichte, einem Schicksal und einer besorgten Familie. Ich sehe einen „kranken Menschen im Bett“, umringt von technischen Hilfsmitteln. Ich kommuniziere, bediene die Geräte, verabreiche die Medikamente, führe notwenige pflegerische Maßnahmen durch und dokumentiere sie.

Es sind manchmal ganz kleine Momente, die mich immer wieder in die menschliche Realität zurückholen. Es sind die unerwarteten Fälle. Die menschlichen Tragödien. Manchmal auch nur ein Satz eines Angehörigen oder eine untypische, unerwartete Reaktion des Patienten.

(Quelle: Wir sind Pflege. https://wir-sind-pflege.blog/intensivpflege-zwischen-mensch-und-maschine (08.12.2018))

Situations-merkmale

Zielgruppe

  • Menschen im Erwerbsalter (30 – 69 Jahre)

Setting

  • Akutklinik

Pflegeanlass

  • Herausfordernde Verhaltensweisen, psychische/soziale Problemlagen
  • onkologische Erkrankung
  • chirurgischer Eingriff

Lernsequenzen

Sequenz 1 - Falldiskussion nach POL - Lernfragen

2 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • fassen ihre Ideen und Ansätze zur Problemlösung zusammen und ordnen diese systematisch,
  • formulieren ausgehend von ihrem Lernbedarf ihre Lernziele,
  • tauschen sich über ihre Gedanken und Gefühle zu der beschriebenen Situation aus und entwickeln Hypothesen zu den Gefühlen, Gedanken, Wünschen und Bedürfnissen der beteiligten Personen und verständigen sich darüber.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... ermitteln in den nachfolgenden fünf Schritten ihre Lernfragen bzw. ihren Lernbedarf hinsichtlich der Falldarstellung
2 ... lesen die Falldarstellung, klären grundsätzliche Verständnisfragen und unbekannte Begriffe Gruppenarbeit
3 ... definieren Probleme und Themenstellungen; bündeln die Fragestellung und präzisieren Teilprobleme und Aspekte der leitenden Fragestellung (Um was geht es?) Gruppenarbeit
4 ... sammeln Lösungsansätze und Ideen im Brainstorming und aktivieren und vernetzen ihr Vorwissen (Was fällt uns dazu ein?) Brainstorming, Gruppenarbeit
5 ... diskutieren, prüfen und ordnen die gesammelten Hypothesen; fassen ihre Ideen und Ansätze zusammen und ordnen diese systematisch Gruppenarbeit
6 ... formulieren ihre Lernziele ausgehend von auftauchenden Wissenslücken und problematischen Punkten in der Diskussionsphase; identifizieren und legen ihren Lernbedarf dar Gruppenarbeit
7 ... präsentieren und begründen ihren Lernbedarf und ihre Lernziele im Plenum Plenum, Flipchart

Sequenz 2 - Lobektomie nach Bronchialkarzinom im Frühstadium

4 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • wiederholen und erweitern / vertiefen anatomische und physiologische Grundstrukturen der Lunge und des Brustkorbs,
  • nennen und beschreiben diagnostische und differentialdiagnostische Verfahren bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom,
  • nennen und erklären mögliche Indikationen für die Entfernung eines Lungenlappens,
  • differenzieren unterschiedliche Formen und Ausprägungen eines Bronchialkarzinoms,
  • nennen unterschiedliche Möglichkeiten der Therapie bei einem Bronchialkarzinom und unterscheiden dabei wesentliche chirurgische Verfahren (VATS, Thorakotomie),
  • nennen neben der Lobektomie weitere thoraxchirurgische Eingriffe mit exemplarischen Indikationen,
  • erklären die weitere Behandlung eines Bronchialkarzinoms nach der Lobektomie,
  • nennen mögliche Risiken und Komplikationen nach einer Lobektomie bei einem Bronchialkarzinom,
  • identifizieren pflegerische Maßnahmen auf der Intensivstation nach einer Lobektomie sowie nach der Verlegung auf eine (thorax)chiriurgische Station.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... aktivieren ihr Vorwissen zur Anatomie / Physiologie der Lunge und Onkologie (Tumorentwicklung) sowie zur Anatomie des Brustraums, beantworten dazu Fragen und beschriften ein Schaubild Einzelarbeit, Arbeitsblatt
2 ... korrigieren das Arbeitsblatt ihrer Partnerin / ihres Partners (ggf. mit Hilfe unterschiedlicher Literatur) und besprechen gemeinsam die Korrekturen Partner*innenarbeit
3 ... recherchieren Ursachen, Symptome, Möglichkeiten der Diagnostik und Differentialdiagnostik, Behandlungsmöglichkeiten (im Speziellen die Möglichkeiten der Lobektomie und weitere thorakale Eingriffe), Besonderheiten und mögliche Komplikationen der Nicht-Behandlung und der Behandlung von Bronchialkarzinomen Ableitung des Rechercheauftrags aus den Lernfragen -> gezielter Rechercheauftrag mit Arbeitsblatt -> Partner*innenarbeit
4 ... gleichen ihre Rechercheergebnisse mit anderen Partner*innengruppen ab und stellen ggf. Verständnisfragen Partnerpartner*innenarbeit, Lehrer*in-Schüler*innengespräch, ggf. mit Expert*innengespräch
5 ... verfolgen gemeinsam ein Video einer Operation VATS Lobektomie, halten Schritte des operativen Ablaufs fest und notieren sich dabei ggf. Fragen Video-Operation -> VATS Lobektomie Oberlappen re. - Lungenresektion bei Lungenkrebs, ggf. Experten*innenkonsultation
6 ... visualisieren den Ablauf der Operation, halten die Vorbereitung des Patienten sowie die Verlegung auf die Intensivstation in einer schematischen Darstellung fest und markieren dabei wesentliche pflegerische Aufgaben Kleingruppenarbeit, Darstellung z.B. in einem Flussdiagramm
7 ... recherchieren und leiten ausgehend von der Übergabe ihre pflegerischen Maßnahmen ab, berücksichtigen dabei die besondere Situation des Patienten und die Maßnahmen, die im ersten Kontakt mit dem Patienten durchzuführen sind Kleingruppenarbeit
8 ... stellen ihre geplanten und begründeten Maßnahmen für Herrn Sokolow vor und diskutieren diese Präsentation

Sequenz 3 - Delir - Eine ernstzunehmende Komplikation

4 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • nennen Ausprägungen eines Delirs und leiten ausgehend davon eine Beschreibung / Definition dieser Bewusstsseinstörung an,
  • erklären Ursachen / Auslöser eines Delirs und den Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Delir,
  • nennen unterschiedliche Diagnosen (und Labelings,) die von einem Delir abzugrenzen sind,
  • nennen mögliche Komplikationen und Folgen eines Delirs,
  • leiten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Delirs ab,
  • recherchieren Screening- / und Assessmentinstrumente zur Erhebung des Risikos der Entwicklung eines postoperativen Delirs an, wählen geeignete aus und wenden sie an,
  • wenden Screening-/ und Assessmentinstrumente zur Erhebung des Risikos der Entwicklung eines postoperativen Delirs an,
  • verständigen sich über Erfahrungen, die sie im Zusammenhang mit zu pflegenden Menschen im Delir erlebt haben.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... erinnern sich an das chirurgische Lernfeld "Ingos Tagebuch" und ihre chirurgischen, praktischen Einsätze Steckbrief einer Situation (Wer? Wann? Wo? Was ist passiert? Welche Folgen?)
2 ... erinnern sich und beschreiben ihren Mitschüler*innen ausgewählte Situationen mit Patient*innen, die ihrer Meinung nach ein sogenanntes "Durchgangssyndrom", eine "ITS-Psychose", einen akuten Verwirrtheitszustand oder ein Delir hatten Schüler*innengespräch
3 ... recherchieren den Begriff "Delir" und versuchen, diesen von den Begriffen Durchgangssyndrom, ITS-Psychose, und akuter Verwirrtheitszustand abzugrenzen; grenzen das "Delir" ebenfalls von möglichen Fehldiagnosen / Fehllabelings (wie z.B. Demenz, Verwirrtheit...) ab Partner*innenarbeit
4 ... leiten sich anhand der beschriebenen Symptome in den Situationen und ihrer Recherche einen beschriebenen Symtomkomplex "Delir" ab Partner*innenarbeit
5 ... gleichen anschließend ihren Komplex mit den Aspekten des diagnostischen Goldstandards ab (vgl. APA 2013 in Sniatecki 2016) und diskutieren, ob die beschriebenen Situationen tatsächlich ein Delir waren (ergänzen ggf. mögliche Delirsituationen), Partner*innenarbeit, Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
6 ... stellen gemeinsam eine Liste mit Diagnosen und Bezeichnungen (Labelings) zusammen, die von dem Delir abzugrenzen sind (Differentialdiagnose) Lehrer*in-Schüler*innengespräch
7 ... lesen sich den "Confusion Assessment Method für die Intensivstation" (Richmond Agitation and Sedation Scale (RASS)) als eine Möglichkeit des Delirassessments durch und versuchen, das Flußdiagramm für sich nachzuvollziehen, anschließend ihren Mitschüler*innen zu erklären und abschließend auf ihre*n Partner*in anzuwenden Einzelarbeit, Partner*innenarbeit (Günther U. et al. 2009)
8 ... recherchieren mögliche Komplikationen für die / den Betroffene*n und Angehörige*n sowie Herausforderungen für die Pflege (mögliche Folgeerkrankungen z. B. Trauma durch das Delir) Partner*innenarbeit
9 ... recherchieren mögliche Risikofaktoren und Ursachen für das Entstehung eines Delirs, Bereiche in denen Delir auftreten, sowie aktuelle Inzidenzzahlen Partner*innenarbeit
10 ... besprechen ihre Arbeitsergebnisse in Kleingruppen und bei Bedarf mit der Lehrperson Schüler*innen-Schüler*innen-Gespärch, ggf. Lehrer*inkonsultation

Sequenz 4 - Einer Patientin / einem Patienten im Delir begegnen

4 Std. (davon Kommunikation: 2 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • analysieren das Risiko der Selbst- und Fremdgefährdung in Verbindung mit einem Delir,
  • aktivieren ihre Kenntnisse zur Entwicklung von Angst und Emotion und analysieren die Entwicklung emotionaler Reaktionen und das wechselseitige Hochschaukeln von Angst- und Aggressionsmustern,
  • aktivieren ihre Kenntnisse zu freiheitsentziehenden / freiheitsbeschränkenden Maßnahmen (FEM) und begründen den Einsatz einer Schutzfixierung und das Vorgehen im Rahmen der Intensivpflege bei einem Delir,
  • kennen alternative Handlungsmöglichkeiten zu FEM, berücksichtigen angstreduzierende Interventionen und setzen sie ein,
  • wenden unterschiedliche Handlungsalternativen situativ an und diskutieren diese,
  • identifzieren Möglichkeiten, sich nach der Umsetzung von freiheitsentziehenden Maßnahmen über ihre Befindlichkeiten (mit Kolleg*innen) auszutauschen,
  • verständigen sich über ihre Eindrücke und Gefühle, freiheitsentziehende Maßnahmen bei einer sich oder anderen gefährdenden Person anwenden zu müssen,
  • tauschen sich über ihre Erfahrungen bei Begegnungen mit Menschen mit einem Delir aus,
  • verständigen sich über die Ungewissheit der pflegerischen Maßnahmen in der Begegnung mit Menschen im Delir,
  • reflektieren den Widerspruch zwischen 'jemandem die Freiheit entziehen' und 'jemanden vor Gefahren schützen' zu müssen.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... leiten ausgehend von den Risikofaktoren nicht-pharmakologische präventive / therapeutische Maßnahmen bei einem Delir ab (Delirtherapie Stufe 1 ), recherchieren dazu ggf. weitere nicht-pharmakologische Maßnahmen Partner*innenarbeit, vgl. auch Kaltwasser et al. 2015
2 ... diskutieren dabei Maßnahmen, die das Delir verstärken können und gleichen ihre bereits abgeleiteten Maßnahmen ggf. ab Partner*innenarbeit
3 ... recherchieren anschließend Indikation und Möglichkeiten der Delritherapie Stufe 2, abhängig von den jeweiligen Symptomen, und beachten dabei auch mögliche Wechselwirkungen bzw. kontraindizierte Medikamente Partner*innenarbeit
4 ... vergegenwärtigen sich die beschriebene Situation und überlegen sich gezielte kommunikative Maßnahmen (Handlungen, Aussagen,...), Herrn Sokolow in seiner Situation zu begegnen, passen ihre geplanten pflegerischen Maßnahmen aus Sequenz 1 ggf. an Kleingruppenarbeit, zur Überarbeitung der Maßnahmen in Sequenz 1 bietet sich die gleiche Gruppenkonstellation an
5 ... diskutieren fallbezogen und allgemein die freiheitsentziehenden / freiheitsbeschränkenden Maßnahmen (FEM) als (notwendige) Maßnahmen im Rahmen der Intensivpflege bei einem Delir und berücksichtigen dabei die rechtlichen Grundsätze, ggf. Recherche der rechtlichen Vorgaben Kleingruppenarbeit (Kombination von 2 oder 3 Partner*innen)
6 ... präsentieren ausgewählte Maßnahmen und begründen ihre Handlungen gegenüber ihren Mitschüler*innen; können die Situation (Stop!) anhalten und gezielt Begründungen erfragen Rollenspielpräsentation im Plenum, Diskussion von Maßnahmen
7 ... entwickeln und gestalten für sich Kitteltaschenkarten (Kategorien: Delirerfassung, Erfassung des Sedierungsgrades, Risikofaktoren für ein Delir, pflegerische Präventionsmaßnahmen) Kleingruppen, Rücksprache mit Lehrpersonen, (vgl. Universitätsklinikum Schleswig Holstein: ICDSC - Pocketcard - Denke ans Delir)
8 ... diskutieren ausgehend von der Erfahrung im Rollenspiel die freiheitsentziehenden / freiheitsbeschränkenden Maßnahmen (FEM) als (notwenige) Maßnahmen im Rahmen der Intensivpflege bei einem Menschen mit Delir; halten ausgehend von ihrer Diskussion Pro- und Contraargumente gemeinsam fest Pro- / Contradiskussion im Plenum
9 ... formulieren für sich Gefühlswörter, wie es ihnen nach der Umsetzung von freiheitsentziehenden / freiheitsbeschränkenden Maßnahmen (FEM) geht oder gehen könnte, bekommen die Möglichkeiten, ihre Erfahrungen in Partner*inneninterviews oder / und Wohlfühlgruppen, ggf. auch im Plenum, zu schildern Einzelarbeit, Partner*inneninterview
10 ... identifizieren Möglichkeiten der Reflexion und Auseinandersetzung nach Anwendung freiheitsentziehender / freiheitsbeschränkender Maßnahmen (FEM), z.B. Kollegiale Beratung, externe Begleitung, Supervision, informeller Austausch mit Kolleg*innen, und halten diese fest Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch

Sequenz 5 - Arbeitsfeld Intensivstation - arbeiten zwischen Maschine(n) und Mensch(en)

4 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • nennen bauliche, gestalterische Besonderheiten von Intensivstationen und können Vor- und Nachteile für unterschiedliche Personengruppen ableiten (offener / geschlossener Plan),
  • nennen Ursachen und Gründe dafür, dass Pflegepersonen auf der Intensivstation den stärksten Anforderungen und Belastungen ausgesetzt sind,
  • erklären unterschiedliche Formen der Fort- und Weiterbildung von Mitarbeiter*innen als Form der Qualitätssicherung auf der Intensivstation (gehen dabei vertieft auf die Fachweiterbildung ein),
  • nennen Strukturen, Arbeitsabläufe und wesentliche Pflegeaufgaben im intensivmedizinischen Arbeitsfeld,
  • nennen besondere Berechnungsmethoden zur Personalbedarfsberechnung auf Intensivstationen (z. B. TISS, Therapeutic Intervention Scoring System),
  • erklären das Prinzip der Individualpflege als Intensivpflege und die daraus folgende Bedeutung für den Pflegeprozess,
  • nennen die Regelungen - und mögliche Sanktionen - der Personalausstattungsuntergrenze für Intensivstationen,
  • verständigen sich über die Vielzahl von notwendigen technischen Geräten auf der Intensivstation und deren mögliche Auswirkungen auf die Pflegekräfte,
  • verständigen sich über mögliche Empfindungen, die Patient*innen auf Intensivstationen über unterschiedliche Sinne wahrnehmen könnten,
  • verständigen sich über die Erwartungen unterschiedlicher Akteur*innen an Fachpflegekräfte in der Intensivpflege,
  • verständigen sich über eigene Technikfaszination und / oder Technikabwehr und verstehen in der Auseinandersetzung mit Erfahrungsberichten von Patient*innen deren Sichtweise und Situationswahrnehmung.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... lesen das Zitat einer Fachkraft für Intensivpflege "Manchmal ist es schwer zwischen all den ganzen Maschinen den Menschen nicht zu vergessen.", versuchen spontan darauf zu reagieren und diskutieren anschließend ihre Anmerkungen stiller Impuls; Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch; alternativ kann auch der Erfahrungsbericht (siehe Fall) als Einstieg oder erweiterte Gesprächsanregung genutzt werden
2 ... zeichnen in Kleingruppen den schematischen Grundriss einer ihnen bekannten oder verallgemeinerbaren Intensivstation und präsentieren ihre Grundrisse in einem kurzen Rundgang (Vernissage) Kleingruppenarbeit; zeichnen Grundriss einer Intensivstation
3 ... schließen ihre Augen und machen eine Fantasiereise als Patient*in auf die Intensivstation: liegen als Patient*in auf der Intensivstation im Bett, versuchen wahrzunehmen, was sie links und rechts, vor und über sich sehen, was sie hören und riechen, was sie als Patient*in fühlen Fantasiereise: als Patient*in auf der Intensivstation
4 ... halten ihre Erlebnisse der Fantasiereise in einer Form ihrer Wahl (Gedicht, Zeichnung, Stichpunkte, Kurzbrief, Tagebucheintrag...) fest, versuchen im anschließenden Gespräch zu diskutieren, wie sich die vielen Geräte, Geräusche, Baustruktur, Arbeitsprozesse auf die Befindlichkeit unterschiedlicher Patient*innen auswirken kann Einzelarbeit; Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
5 ... recherchieren wesentliche Aufgaben und Arbeitsabläufe auf der Intensivstation und unterschieden dabei pflegerische Aufgaben und Ziele im Gegensatz zu einer "Normalstation" Kleingruppenarbeit
6 ... formulieren mögliche Erwartungen unterschiedlicher Akteure an die Pflegefachkräfte auf einer Intensivstation, z. B. Pflegefachkräfte selbst, Patient*innen, Angehörige, Ärzt*innen, "Eine Pflegefachkraft auf einer Intensivstation sollte..." Kleingruppenarbeit (Arbeitsblattstruktur vorgeben)
7 ... leiten, ausgehend von dem Arbeitsumfeld und dem Patient*innenklientel auf einer Intensivstation, den pflegerischen Aufgaben und den unterschiedlichen Erwartungen an die Intensivpflegekräfte, die besonderen Herausforderungen für diese Sub-Berufsgruppe ab Kleingruppenarbeit
8 ... recherchieren Zugangsvoraussetzungen, Weiterbildungsinhalte, Struktur und Prüfungen der Fachweiterbildung zur /zum Fachkrankenpfleger*in für Intensivpflege, sowie die möglichen Einsatzmöglichkeiten; recherchieren zusätzlich rechtliche Vorgaben für die Qualifikationsanforderungen und Personalbesetzung auf Intensivstationen Kleingruppenarbeit
9 ... gestalten einen Flyer oder ein (Werbe)plakat zum Berufsfeld "Fachkraft für Intensivpflege" und präsentieren dieses im Anschluss (Werbe)flyer oder -plakate gestalten; Präsentation als Rundgang

Sequenz 6 - Mit Kolleg*innen in stressigen Situationen kommunizieren

4 Std. (davon Kommunikation: 4 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • nennen und beschreiben Grundsätze zu Gesprächsstrategien im Umgang mit Kolleg*innen und beziehen sich dabei auf die personenzentrierte Gesprächsführung, sowie auf die Erfahrungen die sie in der Umsetzung mit einer personenzentrierten Gesprächsführung gemacht haben,
  • identifizieren alternative Handlungsmöglichkeiten der Auszubildenden und diskutieren diese,
  • wenden unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten an und diskutieren diese,
  • interpretieren die Aussage des Patienten in der Fallsituationen durch Bildung vielfältiger Hypothesen aus unterschiedlichen Perspektiven,
  • deuten die Reaktion der Akteur*innen in der Situation und positionieren sich dazu,
  • machen sich ihre individuellen Lösungsstrategien im Umgang mit Wut und Abwehr bewusst und wägen ab, inwiefern sie neu erarbeitete Strategien integrieren können,
  • versändigen sich über Bewältigungs- und Reflexionsmöglichkeiten mit Erfahrungen der Überforderung, der Gewaltausübung und oder abwehrendem / aggressivem Verhalten durch Patient*innen und positionieren sich zu den unterschiedlichen Möglichkeiten / Alternativen.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... finden sich im Stuhlkreis ein und erinnern sich an die erste Gesprächssituation zwischen Laura Schmidt und Pascal Mertens, Stuhlkreis; Rollenspiel; (zur besseren Vergegenwärtigung sollten zwei freiwillige Lernende die Situation in der Mitte des Stuhlkreises nachspielen; die Situation kann auch mehrmals mit Korrekturen an der gespielten Situation gespielt werden)
2 ... interpretieren die Aussagen der beiden Akteuren und halten die Interpretation fest, Stuhlkreis; Metaplanwand (beide Akteur*innen werden darauf aufgezeichnet; die zentrale Aussagen und entsprechende Interpretationen werden darauf anschließend festgehalten)
3 ... überlegen sich in Kleingruppen mögliche Handlungsalternativen auf die Aussagen von Laura Schmidt einzugehen und beziehen sich in ihren Überlegungen auf die personenzentrierte Gesprächsführung, Kleingruppenarbeit (ggf. kurze Wiederholung zu den Kernaussagen der personenzentrierten Gesprächsführung)
4 ... finden sich wieder im Stuhlkreis ein, spielen die Situation erneut nach; Vertreter*innen aus den unterschiedlichen Kleingruppen nehmen die Rollen von Pascal Mertens ein, wenden ihre Handlungsalternativen an und diskutieren diese anschließend im Plenum, Stuhlkreis; Rollenspiel
5 ... diskutieren abschließend mögliche Bewältigungs- und Reflexionsmöglichkeiten im Umgang mit Erfahrungen der Überforderung, der Gewaltausübung (z.B. FEM) und / oder abwehrendem / aggressivem Verhalten durch Patient*innen. Stuhlkreis; Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch

Sequenz 7 - Abschluss: Lernfragen beantworten

1 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • treffen Aussagen darüber, was sie in der Lerninsel, und überprüfen, welche ihrer Lernfragen sie beantworten können,
  • formulieren Anforderungen, das Gelernte im Umgang mit Menschen im Delir in einem anschließenden Praxiseinsatz umzusetzen,
  • überprüfen und korrigieren ggf. ihre in der Einstiegssequenz benannten Vorstellungen,
  • formulieren ihre persönlichen Ziele / Aufgabenstellungen für den Umgang mit Menschen im Delir in einem anschließenden Praxiseinsatz.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... betrachten die Lernfragen aus der Einstiegssequenz nacheinander und vollziehen damit den Lernprozess nach, Lehrer*innen-Schüler*innen-Gespräch
2 ... klären, welche Lernfragen beantwortet sind und ob sich durch die Lerninsel etwas in der Vorstellung von "Delir" verändert hat, Lehrer*innen-Schüler*innen-Gespräch
3 ... formulieren, worauf sie bei der Begegnung mit Menschen im Delir in der Praxis achten möchten. Lehrer*innen-Schüler*innen-Gespräch

Hinweise zur Unterrichts-vorbereitung

Voraussetzungen, Weiterführungen, Alternativen

Voraussetzungen


Weiterführungen

Anhang

Entwicklung

Literatur

Poketcard Delir – Universitätsklinikum Schlewsig Holstein (letzter Zugriff am 06. Dez. 2018: https://www.uksh.de/uksh_media/Dateien_Pflege/Pflegeforschung/Delir/ICDSC_Pocketcard_2016_07-p-126734.pdf)

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