Frau Krabbe …

... oder: "Wir können aber auch nicht rund um die Uhr ..." In der stationären Langzeitversorgung im Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Autonomieanerkennung handeln - Sturzgefährdung begründet begegnen - den Einsatz von freiheitsentziehenden Maßnahmen reflektieren

Gliederung

Der Fall

Frau Krabbe oder: „Wir können aber auch nicht rund um die Uhr …“
Frau Krabbe ist 86 Jahre alt, seit 25 Jahren verwitwet und lebt seit sechs Monaten in einem Altenpflegeheim. Sie hat die Diagnosen: beginnende Multiinfarktdemenz sowie Osteoporose. Auch ist ihr Seh- und Hörvermögen teilweise eingeschränkt. Sie wurde bei Heimaufnahme in Pflegegrad 2 eingestuft. Im Heim versorgt sie sich mit etwas Anleitung noch häufig alleine.
Der Umzug ins Heim wurde notwendig, weil die häusliche Umgebung aufgrund von Orientierungsstörungen nicht mehr ausreichend Sicherheit geboten hat. Vor allen Dingen nachts war und ist Frau Krabbe auch in der Pflegeeinrichtung aktiv, weshalb das Bettgitter regelmäßig hochgestellt wird. Tagsüber ist sie aus eigenem Antrieb nur wenig aktiv. Deshalb wird die alte Dame zur Mobilisierung mit dem Rollator regelmäßig auf den Rundweg in den vom zentralen Dienstzimmer aus einsehbaren Flur des Altenheimes geschickt. Aufgrund der chronischen Unterbesetzung wird eine Begleitung hauptsächlich dann angeboten, wenn Schüler*innen oder Praktikant*innen diese Aufgabe übernehmen können. Zwischenzeitlich kann es aber auch immer mal wieder vorkommen, dass Frau Krabbe von sich aus unvermittelt losläuft.

Ira, Pflegeschülerin im 2. Ausbildungsjahr, die seit einer Woche im Haus ist, hat, wie am Morgen bei der Übergabe besprochen, gerade mit der Mobilisierung von Frau Krabbe begonnen, als sie von einer Kollegin um Hilfe gebeten wird. Frau Krabbe erklärt freudestrahlend, dass sie auch alleine weitergehen kann. Sie macht sich auf den Weg, öffnet eine unverschlossene Tür und stürzt die Treppe, die dahinter ins Freie führt, hinunter. Dort bleibt sie hilflos liegen, bis Ira sie findet. Frau Krabbe klagt über starke Schmerzen im rechten Oberarm, außerdem blutet sie aus einer Kopfplatzwunde. Mit dem Notarztwagen wird sie in das nahegelegene Krankenhaus gebracht, wo eine eingestauchte Humerusfraktur rechts und Verdacht auf Gehirnerschütterung diagnostiziert wird. Zur Ruhigstellung der Fraktur erhält die alte Dame einen Gilchristverband, soll aber bald nach der Entlassung krankengymnastische Versorgung erhalten. Zunächst bleibt sie zur Beobachtung noch einige Tage in der Klinik.
In der Zwischenzeit kommt der Sohn von Frau Krabbe, der auch ihr gesetzlicher Betreuer ist, ins Pflegeheim und fragt, wie es dazu kommen konnte, dass seine Mutter durch eine offene Tür nach draußen zu einer Treppe gelangen konnte.  „Wir können aber auch nicht rund um die Uhr hinter Ihrer Mutter herlaufen. Sie ist ja jeden Tag an der Tür vorbeigegangen und es ist nie ‘was passiert! Schließlich hat sie ja auch nur Pflegegrad 2“ ergänzt die Pflegerin.
Nach einigen Tagen kommt Frau Krabbe wieder in das Pflegeheim zurück. Ihr Sohn begleitet sie. Beide werden von Petra Tenhaus begrüßt: „Ach, Frau Krabbe, herzlich willkommen daheim! Hoffentlich haben Sie jetzt gelernt, dass Sie vorsichtiger sein müssen und nicht immer munter auf alles losmarschieren. Sonst müssen wir doch noch mit ihrem Sohn überlegen, ob wir einen Stuhl mit Vorsatztisch für Sie anschaffen, damit Sie zukünftig sicherer bei uns sind.“

In der darauffolgenden Dienstübergabe berichtet die Pflegefachkraft, dass der Sohn von Frau Krabbe sehr unzufrieden gewirkt habe. Frau Scholz schlägt daraufhin vor, die aktuelle Situation der Bewohnerin im Rahmen einer ethischen Falldiskussion am kommenden Donnerstagnachmittag ausführlich zu thematisieren.

 

Situations-merkmale

Zielgruppe

  • ältere Menschen (ab 70 Jahre)

Setting

  • stationäre Langzeitversorgung

Pflegeanlass

  • Unselbstständigkeit in der Selbstversorgung
  • Einschränkung in der Kommunikation
  • Einschränkungen in der Mobilität
  • chronische Erkrankung

Lernsequenzen

Sequenz 1 - Ethische Fallbesprechung zur Situation von Frau Krabbe

2 Std. (davon Kommunikation: 2 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • setzen die Schritte des Einstiegs in eine ethische Falldiskussion selbstorganisiert um,
  • leiten aus der Falldiskussion Lernfragen für den Erarbeitungsprozess ab,
  • verstehen unterschiedliche Perspektiven im Fall und fühlen sich entsprechend ein,
  • decken die Widersprüche und Spannungsfelder in der Fallsituation auf und identifizieren damit Konflikte und Dilemmata.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... aktivieren und erweitern ihre Vorkenntnisse zum Begründungsrahmen, zu den Zielen und zum Vorgehen bei einer ethischen Falldiskussion Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch, vgl. hierzu das Dokument "Ablauf einer ethischen Falldiskussion nach M. Rabe (2005)" in der Anlage - ggf. mit Rückbezug auf --> "Ein Mädchen"
2 ... führen in Kleingruppen selbstorganisiert eine ethische Falldiskussion nach dem bekannten Ablauf durch und dokumentieren ihre Ergebnisse Kleingruppenarbeit mit Dokumentation auf Flipchartbögen, ggf. kann an bestehende Kleingruppen aus der Kollegialen Beratung angeknüpft bzw. auch gezielt eine Durchmischung dieser Gruppen vorgeschlagen werden
3 ... präsentieren die Ergebnisse ihrer ethischen Falldiskussionen und arbeiten Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus moderierte Diskussion im Plenum vor dem Hintergrund der erstellten Dokumentation
4 ... leiten aus dem Vergleich ihrer Ergebnisse einen vertiefenden Wissensbedarf ab, der erforderlich ist, um aufgetretenen Dissens zu klären bzw. konsensualisierte Ergebnisse aus der Falldiskussion und die entwickelten Konsequenzen fachlich abzusichern Überleitung in ein Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch, die / der Lehrer*in ordnet die Lerninteressen der Lernenden den Lernsequenzen zu und ergänzt ggf. um weitere Aspekte, die die Lernenden in ihrer Diskussion nicht herausgearbeitet haben, ggf. muss eine Abklärung erfolgen, wie weitere Fragen, die durch die ethische Falldiskussion aufgeworfen wurden, die aber in der hier geplanten Lernsituation nicht abgedeckt sind, geklärt werden können <- Ergebnisse der Fallbesprechungen und Fragestellungen werden so dokumentiert, dass sie in Sequenz 6 wieder aufgegriffen werden können

Sequenz 2 - "Frau Krabbe soll ihre Selbstbeständigkeit soweit wie möglich bewahren!" - die Dimensionen von Autonomie und (Für-)Sorge

3 Std. (davon Kommunikation: 3 (Ethik, Kompetenzbereich II.3) Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • erfassen den Anspruch von Selbstbestimmung und informierter Entscheidung in heilberuflichen Kontexten und beschreiben die Problematik von physischen und psychischen Einschränkungen der Kompetenz zur freien Willensbildung und -äußerung,
  • erläutern den Begriff der (Für-)Sorge in seinen Dimensionen und Begrenzungen,
  • identifizieren Strukturen und Begründungen für (medizinischen) Paternalismus und decken seine Begrenzungen und die damit verbundenen Risiken und Machtverhältnisse auf,
  • präzisieren ihr Verständnis der Achtung der Menschenwürde und benennen Formen der Missachtung,
  • vollziehen den Zusammenhang von Autonomie und (Für-)Sorge in seinen komplexen ethischen Dimensionen nach und entwickeln hierzu ein Strukturbild,
  • wenden das erarbeitete Begriffsfeld fallbezogen an,
  • verständigen sich über mögliche Bedürfnisse von älteren Menschen nach Freiheit und Autonomie sowie nach Schutz und Fürsorge vor dem Hintergrund zunehmender Verluste in der kognitiven Kompetenz, -> hier informell als Anknüpfungspunkt für Sequenz 6,
  • verständigen sich über ihre Erfahrungen damit, den Willen sowie Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkten kognitiven / kommunikativen Kompetenzen zu erfassen und sammeln Möglichkeiten, wie das gelingen kann, -> hier informell als Anknüpfungspunkt für Sequenz 6,
  • reflektieren das Spannungsfeld zwischen Unterstützung und Selbstwirksamkeit,
  • reflektieren das Spannungsfeld zwischen Freiheits- und Schutzbedürfnis von älteren Menschen, die in einer Institution leben.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... reflektieren ihre ethischen Reflexionsprozesse aus Sequenz 1, Schritt 2, der Fallbesprechung vergleichend zwischen den Gruppen und die dabei bisher erfolgte Definition des ethischen Problems sowie die damit im Zusammenhang stehenden normativen Orientierungen und übergeordnenten Prinzipien Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse durch Lernende oder auch durch die / den Lehrende*n, um damit zu der anschließenden Erarbeitung einer theoretischen Fundierung überzuleiten, hierbei muss eine Abstimmung auf den tatsächlichen Lernstand in der Lerngruppe erfolgen
2 ... vergegenwärtigen sich, sofern das nicht im vorangegangenen Prozess erfolgt ist, grundlegende Prinzipien der Ethik der Pflege bzw. Medizin (z. B. n. Beauchamp & Childress)
3 ... erarbeiten sich theoretisch fundierte Argumentationslinien der Pflegeethik in einem wechselnden Prozess zwischen der Lektüre ausgewählter Textpassagen und Gruppendiskussion zu folgenden Aspekten: (Für-)Sorge (Tisch A) / (Medizinischer) Paternalismus (Tisch B) / Informierte Entscheidung und Kompetenz (Tisch C) / Menschenwürde - Achtung und Misschachtung (Tisch D) Stationendiskussion in 4 Kleingruppen an 4 Placemates / Tischen in zwei Runden (vgl. Arbeitsmaterial) - Runde 1: (Überblick zu den Begriffen) die Gruppen lesen und diskutieren den ersten Text, notieren zentrale Gedanken und Fragen zum Text in einem Quadranten des Placemates, wechseln nach ca. 5-7 Minuten an den nächsten Tisch - Runde 2: (Argumentationslinien) lesen u. diskutieren neu hinzugekommene Texte und Anmerkungen der anderen Gruppen, ergänzen ggf. ihre Anmerkungen und wechseln nach 10-15 Minuten
4 ... entwickeln eine Visualisierung zur Struktur der Argumentationslinien aus den Textauszügen in einem Schaubild unter Verwendung von vorgegebenen Begriffen, z. B.: Achtung / Asymmetrie / Autonomie / Autonomismus / Einwilligung / Entscheidungsfähigkeit / Informierte Entscheidung / Kompetenz zur Selbstsorge / Kompetenzüberprüfung / Menschenrechte / Menschenwürde / Missachtung / mutmaßlicher Wille / Paternalismus / (Für)Sorge / Wille / Wohl ... Kleingruppenarbeit, Flipchart mit Strukturbegriffen und ggf. Symbolen, ergänzt mit Zeichnungen und Beschriftung, Placemates der vorhergehenden Phase sind für alle zugänglich
5 ... vergleichen ihre Visualisierungen, diskutieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede, dokumentieren neue Erkenntnisse für die ethische Reflexion der Situation von Frau Krabbe Plenumsdiskussion, Ergebnisdokumentation auf Flipchart

Sequenz 3 - "Frau Krabbe soll möglichst nicht wieder stürzen" - Sturzprophylaxe - Erkenntnisse des Expertenstandards

5 - 7 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • erläutern fachlich begründete Erkenntnisse zum Zusammenhang von freiheitsentziehenden Maßnahmen und Sturzrisiko,
  • erklären Ziele der Einschätzung des Sturzrisikos, wählen entsprechende Instrumente kriteriengeleitet aus und wenden sie an bzw. reflektieren deren Anwendungsmöglichkeiten im Fall kritisch und benennen mögliche Alternativen,
  • nehmen fallbezogen eine individuelle Einschätzung des Sturzrisikos vor,
  • erläutern den Sinn von Körper- / Bewegungsbiografien im Rahmen von Sturzprophylaxe,
  • identifizieren fallbezogen geeignete Interventionen zur Senkung des Sturzrisikos und entwickeln ein fachlich begründetes Konzept hinsichtlich der Sturzprophylaxe bei Frau Krabbe,
  • wählen gezielt Maßnahmen zur Mobilitätsförderung von Frau Krabbe und zur Sturzprophylaxe und nach dem Sturzereignis aus,
  • überprüfen vorgegebene Konzepte zur Mobilitätsförderung und Sturzprophylaxe (z. B. eine Mikro-Schulung) fallspezifisch auf ihre Umsetzbarkeit,
  • stellen Argumente hinsichtlich einer Förderung und Erhöhung der Mobilität und hinsichtlich des Risikos zu stürzen zusammen,
  • reflektieren das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit, hier nur als Vorbereitung für Sequenz 6.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... tragen ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen zum Thema "Sturzereignisse / Sturzrisiko / Sturzprophylaxe" zusammen und ermitteln gemeinsam mit der Lehrperson als Expertin / Experte, welche konkreten, fallbezogenen Bedarfe sie für eine Vertiefung ihrer Kenntnisse haben Einzelarbeit zu einem Wissenstest, Auswertung in Kleingruppen, Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
2 ... stellen Vermutungen zusammen, warum Petra Tenhaus die Anschaffung eines Stuhls mit Vorsatztisch vorschlägt bzw. betrachten und ergänzen die bereits in Sequenz 1 hierzu dokumentierten Hypothesen
3 ... kontrastieren systematisch Sturzvermeidung und Mobilitätsförderung als Pflegeziele in der Langzeitversorgung älterer Menschen und sammeln jeweils Argumente aus möglichst vielen Perspektiven Erstellen eine Tabelle im Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch oder erarbeiten Argumente in einer Pro-und-Contra-Diskussion
4 ... rezipieren wissenschaftliche Erkenntnisse zum Zusammenhang von freiheitsentziehenden Maßnahmen und Sturzrisiko und ergänzen damit die vorab gesammelten Argumentationen durch Arbeitsauftrag gestützte Textarbeit, Einzel- / Partner*innenarbeit (Auszüge aus DNQP 2013; Köpke et al. 2015b), Ergänzung der Tabelle in Sequenz 3)
5 ... analysieren die Fallsituation und ergänzende pflegerelevante Informationen zu Frau Krabbe (Pflegedokumentation / Bewegungsmuster von Frau Krabbe, z. B. beim Aufstehen aus d. Sitzmöbel / beim Erreichen der Standstabilität / beim Losgehen / beim Richtungswechsel / beim Hinsetzen) und schätzen daraufhin ihr Sturzrisiko nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ein Kleingruppenarbeit mit praktischen Übungen, in denen die Bewegungsmuster durch Nachahmung / Einfühlung nachvollzogen werden, vergleichende Präsentation im Plenum
6 ... formulieren gezielte Fragestellungen für eine Recherche zu möglichen und geeigneten Interventionen, um das Sturzrisiko von Frau Krabbe zu senken und recherchieren arbeitsteilig gelenkte Entwicklung der Fragestellungen im Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch, arbeitsteilige Partner*innenarbeit zur Recherche, ggf. ergänzt durch Expert*innenbefragung (Physiotherapie o. a.)
7 ... stellen ihre Rechercheergebnisse vor, rezipieren hierzu auch die Einschätzungen des Expertenstandards "Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege" (DNQP 2013) Ergebnisvorstellung im Plenum mit ergänzendem Lehrer*invortrag, ggf. Expertengespräch (Physiotherapie o. a.)
8 ... überprüfen vor dem Hintergrund ihrer Recherche und Erarbeitung, welche Elemente aus dem Konzept "Mikroschulung Sturzvorbeugung" (Netzwerk ... 2014) mit dem dort aufgeführten Fallbeispiel auf die Situation von Frau Krabbe übertragbar sind Kleingruppenarbeit mit Ergebnisdokumentation, sollte in Sequenz 6 einfließen

Sequenz 4 - "Wer ist schuld?" - Klärung der Rechtslage im Fall

4 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • definieren den Begriff der Schuld aus einer rechtlichen Perspektive und grenzen ihn gegenüber dem moralischen Verständnis und alltagsethischen Zuschreibungen von Schuld ohne Vorwerfbarkeit ab,
  • unterscheiden und beschreiben Aufgaben- und Verantwortungsbereiche von Praktikant*innen / Auszubildenden / Pflegefachfrauen / -männern in Einrichtungen der Langzeitpflege (Wdh.),
  • definieren die Rechtslage der Pflegeeinrichtung in der Fallsituation (Strafrecht, Haftungsrecht, Delegationsrecht sowie die jeweilige Verbindung zu freiheitsentziehenden Maßnahmen),
  • wenden die rechtliche Regelung von Delegation und Übernahmeverantwortung fallbezogen an,
  • identifizieren Formen freiheitsentziehender Maßnahmen im Fall und erklären die rechtlichen Regelungen,
  • erläutern die Möglichkeiten und Grenzen von Versicherungen in dieser Situation (auf Ebene der Einrichtungen und als individuell abgeschlossene Berufshaftpflichtversicherung),
  • erklären die Rechtsansprüche von Bewohner*innen (bzw. ihren sie in rechtlicher Hinsicht vertretenden Bezugspersonen) in Einrichtungen der Langzeitpflege in Bezug auf Sicherheit und Schutz, auch unter den Bedingungen eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten,
  • erklären die Dokumentationspflicht fallbezogen (Sturzassessment / Sturzrisikoeinschätzung, Sturzereignisse, freiheitsentziehende Maßnahmen),
  • erläutern die Rechtslage zu den Möglichkeiten und Grenzen einer Beaufsichtigung in der Langzeitversorgung,
  • rezipieren Musterurteile zu ausgewählten vergleichbaren Fällen,
  • reflektieren Widersprüche und Interessensgegensätze, die im Fall aus rechtlicher Perspektive aufgeworfen werden.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 … tragen ihre im bisherigen Unterricht erarbeiteten Kenntnisse zur Systematik des Rechts zusammen und schlagen Rechtsgrundsätze und Prinzipien vor, die in diesem Fall zur Anwendung kommen könnten Schritt 1 bis 4: Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräche und Erarbeitungsformen in Einzel- / Partner*innen / Gruppenarbeiten zu Texten / Übungsaufgaben / Rechercheaufträgen, um einerseits zu einer fallbezogenen Lösung und zur Erweiterung von Kenntnissen und Fertigkeiten zu gelangen, die in vergleichbaren Situationen im Pflegealltag gefordert sind, und andererseits zu verallgemeinerbaren Rechtsgrundsätzen
2 … konkretisieren vor diesem Hintergrund ihre Fragen, die für sie zur Rechtslage im Fall auftreten, erweitern sie ggf. um zusätzliche Aspekte und lernen mögliche Wege kennen, um diese Fragen einordnen und klären zu können
3 ... lesen und verstehen exemplarisch Gesetzestexte und Musterurteile, die zu einem Verständnis der Rechtslage im Fall beitragen können
4 … systematisieren ihre exemplarisch zum Fall erworbenen Kenntnisse und erweitern ihr Verständnis allgemeiner Rechtsgrundsätze
5 ... diskutieren den Begriff der Schuld fallbezogen für die unterschiedlichen Akteure aus rechtlicher, moralischer und ethischer Perspektive

Sequenz 5 - "Frau Krabbe soll sicher und zufrieden in der Einrichtung leben" - Aspekte der Qualitätssicherung und der Finanzierbarkeit von Pflegeleistungen

6 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • fassen grundlegende Prinzipien / Verfahren externer Qualitätssicherung im Überblick zusammen und informieren sich über die Bedeutung von anerkannten Zertifizierungen,
  • nennen grundlegende Anforderungen einer internen Qualitätssicherung,
  • identifizieren im Fallbeispiel Anforderungen an die Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen und systematisieren diese,
  • entwickeln fallbezogen Ansätze zur Implementierung von Maßnahmen der Qualitätssicherung, insbesondere zu den in Sequenz 2-4 gewonnenen Erkenntnissen,
  • identifizieren perspektivisch die Interessen der verschiedenen Akteure (in der Fallsituation) an der Implementierung von qualitätssichernden Maßnahmen,
  • reflektieren fallbezogen die Spielräume und Möglichkeiten sowie die Begrenzungen, die die Implementation von qualitätssichernden Maßnahmen in der Pflegeeinrichtung bietet.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... vergegenwärtigen sich die Finanzierungsstruktur in der stationären Langzeitpflege und informieren sich über den Leistungsanteil, der bei Pflegegrad 2 von der Pflegekasse übernommen wird Schritt 1 und 2: Lehrer*in-Schüler*innen bzw. Lehrer*inkurzvortrag, abhängig von den bis dahin dazu bereits erfolgten Unterrichtseinheiten
2 ... aktualisieren und systematisieren ihre bis zu dem Zeitpunkt erworbenen Kenntnisse zur internen und externen Qualitätssicherung in der Pflege, differenzieren zwischen den verschiedenen Versorgungsformen und fokussieren insbesondere die stationäre Langzeitversorgung
3 ... identifizieren die Anforderungen, die hierzu von Seiten der Fachwissenschaft (z. B. in Expertenstandards) an die Einrichtung gestellt werden und informieren sich jeweils ergänzend Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch mit Textarbeit mit Bezug auf die Merkmale Sequenz 4a / S5 / Sequenz 6b / E6b im Expertenstandard "Sturzprophylaxe in der Pflege" (DNQP 2013) bzw. die Merkmale Sequenz 2b / Sequenz 4a im Expertenstandard "Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege" (DNQP 2014)
4 ... leiten daraus konkrete Qualitätskriterien zur Überprüfung der externen und internen Pflegequalität im Bereich von Mobilitätsförderung und Sturzprophylaxe ab und markieren die Aspekte, die für eine gute Versorgung von Frau Krabbe bedeutungsvoll sind Einzel- / Partner*innenarbeit, Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch mit Ergebnisdokumentation
5 ... informieren sich zu umgebungsbezogenen Sturzrisikofaktoren in Alten- und Pflegeheimen und zu Angebotsstrukturen hinsichtlich der Mobilitätsförderung in der stationären Langzeitversorgung Schritt 5 bis 7: Erkundung, Befragungen und / oder Recherche in Kleingruppen, Präsentation im Plenum
6 ... erkunden parallel dazu, wie hoch der Eigenanteil bei Pflegegrad 2 in der jeweiligen Pflegeeinrichtung ist bzw. recherchieren die Spannbreite für verschiedene Einrichtungen im Umfeld der Pflegeschule
7 ... stellen aufgrund ihrer Erkundungen Ansatzpunkte für die räumliche / bauliche Gestaltung von stationären Einrichtungen der Langzeitpflege und für gelungene Angebote zur Mobilitätsförderung zusammen und ordnen diese einerseits anhand der in Schritt 3 formulierten Qualitätskriterien und andererseits anhand einer Einschätzung der vermutlichen Kosten (hoch - mittel - gering)
8 ... vergleichen ihre Ergebnisse gelenkte Diskussion im Plenum

Sequenz 6 - Neue Erkenntnisse für die Schließung der Fallbesprechung nutzen - Ergebnisse mit Frau Krabbe und ihrem Sohn kommunizieren

2 Std. (davon Kommunikation: 2 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • fassen gewonnene Erkenntnisse zusammen und integrieren sie fallbezogen,
  • reflektieren Möglichkeiten und Grenzen von pflegerischen Interventionen zur Sturzprävention bzw. zum Erhalt und zur Förderung von Eigenmobilität,
  • identifizieren Lösungsmöglichkeiten,
  • entwickeln Wege für die Kommunikation der Lösung mit den beteiligten Personen (Frau Krabbe, Sohn von Frau Krabbe),
  • leiten Kriterien für eine "gute" Lösung her,
  • bestimmen ihre eigenen, persönlichen Zielsetzungen und Ansprüche an eine zukünftige pflegerische Versorgung von Frau Krabbe,
  • bestimmen die Interessen und Ziele der Institution,
  • entwickeln fallbezogen vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und Kenntnisse Kommunikationsmöglichkeiten, um den Willen von Frau Krabbe in Bezug auf ihre Eigenmobilität bzw. ihren Wunsch nach Schutz vor einem erneuten Sturz zu erkunden,
  • wägen Vor- und Nachteile der Beantragung einer Höherstufung des Pflegegrads für Frau Krabbe mehrperspektivisch ab,
  • entwickeln Ansatzpunkte für eine gelingende Kommunikation mit Frau Krabbe und ihrem Sohn und wägen Möglichkeiten ihrer Integration in den Entscheidungsprozess ab,
  • reflektieren das Spannungsfeld von Verantwortung, Schuldgefühlen, Hilflosigkeit und der Ausübung von Zwang auf Seiten der Pflegenden,
  • reflektieren das Spannungsfeld von Autonomie und (Für-)Sorge multiperspektivisch für die zu pflegenden Menschen, deren Bezugspersonen und die Pflegeeinrichtung.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... vergegenwärtigen sich die Ergebnisse der Falldiskussionen aus Sequenz 1, die dort formulierten Lernbedarfe sowie die in den Sequenzen 2 bis 5 gewonnenen Erkenntnisse einführendes Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch, Rückführung in die Kleingruppen aus Sequenz 1 (unterstützt mit einem vorbereiteten Arbeitsauftrag)
2 ... nehmen die ethische Falldiskussion aus Sequenz 1 wieder auf und nehmen eine Neudefinition und Erweiterung der Ergebnisse vor Schritt 2-5: Fortsetzung, Erweiterung und Vertiefung der Kleingruppenarbeit aus Sequenz 1
3 ... entscheiden, wie sie die Ergebnisse mit Frau Krabbe und / oder ihrem Sohn besprechen wollen und formulieren zentrale Zielsetzungen und sinnvolle einleitende Sätze sowie geeignete Satzphrasen für mögliche Kommunikationssituationen ggf. Erprobungen / Demonstrationen im Rollenspiel mit Videodokumentation
4 ... entscheiden, wie sie ihre Ergebnisse im Plenum präsentieren wollen und wählen eine geeignete Präsentationsform
5 ... präsentieren ihre Ergebnisse im Plenum, diskutieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lösungsansätzen und leiten mit Rückgriff auf die zentralen Erkenntnisse aus den Sequenzen 2 - 5 Kriterien für eine "gute" Lösung her Diskussion im Plenum
6 ... diskutieren abschließend die Option, die ethische Falldiskussion zu öffnen und z. B. die Betroffenen selbst und / oder ihre Angehörigen von Anfang an zu zu integrieren offene Frage bzw. strukturierte Pro- und Contra-Diskussion

Hinweise zur Unterrichts-vorbereitung

Voraussetzungen, Weiterführungen, Alternativen

Voraussetzungen


Weiterführungen


Parallelen

Anhang


Dokumente

Literatur

cc 0
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