Kommunikative Kompetenzen überprüfen

Zusammenfassende Überprüfung von unterschiedlichen Herausforderungen in der pflegerischen Kommunikation

Gliederung

Der Fall

Einführende Beschreibung der Situation:

Sie arbeiten seit etwa zwei Wochen auf der Station 9, einer Viszeralchirurgischen Station. Heute sind Sie im Spätdienst. Sie sind im Moment bei Frau Schmitz, 83 Jahre, die nach einer umfangreichen Colonoperation (Sigmaresektion nach Hartmann) seit einer Woche auf ihrer Station liegt. Sie helfen ihr aus dem Bett und begleiten sie auf dem Weg zur Toilette. Als Frau Schmitz Platz nimmt hören Sie die Patient*innenklingel aus einem anderen Raum. Sie blicken kurz auf den Gang und sehen, dass die Patient*innenklingel im Zimmer gegenüber gedrückt wurde. Im Zimmer gegenüber liegt Herr Fritsch in einem Einzelzimmer. Herr Fritsch hat eine Leistenhernie und wird morgen laparaskopisch operiert. Da er Marcumarpatient ist, wurde er bereits am Nachmittag vor der OP einbestellt. Sie nutzen die Zeit während Frau Schmitz auf der Toilette sitzt und werfen zur Sicherheit kurz einen Blick in sein Zimmer.

Situation 1 (Vertrösten):

Herr Fritsch sitzt auf einem Stuhl in seinem Zimmer. Er wirkt traurig.

„Tut mir leid, dass ich Sie störe, (Pause) aber ich – irgendwie ist mir nicht wohl bei der Sache. Vorhin hatte ich einen Blutdruck von 150/110, normalerweise habe ich nur einen von 140/80. Das kann doch nicht gut für die OP sein. Und dazu kommt auch noch, dass ich Gerinnungshemmer nehme und ich weiß auch gerade überhaupt nicht.“

Gehen Sie in der Situation entsprechend auf das Gespräch ein.

Situation 2 (auf Ängste eingehen):

Nachdem Sie Frau Schmitz wieder zurück von der Toilette in das Bett begleitet haben, gehen Sie zurück zu Herrn Fritsch ins Zimmer.

Nehmen Sie sich etwas Zeit, um auf die Situation von Herrn Fritsch einzugehen.

Mögliche Formulierungen und Fragen von Herrn Fritsch:

„Ich war noch nie im Krankenhaus.“

„Es ist meine erste Operation.“

„Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache?“

„Wie läuft das dann morgen nochmal ab?“

„Wer kümmert sich morgen um mich?“

„Sind Sie auch da?“

Situation 3 (Schmerzen ernst nehmen):

Am nächsten Tag kommen Sie wie am Vortag in ihren Spätdienst. Von der zuständigen Pflegekraft haben Sie übergeben bekommen, dass die Operation von Herrn Fritsch erfolgreich und komplikationslos verlaufen ist, er aber doch noch in wenig wehleidig ist. Herr Schmitz hat sich bereits des Öfteren nach der OP über Schmerzen in den Bauchmuskeln und im Rücken beschwert und Bedarfsmedikation erhalten. Eine erste kurze Mobilisation hat bereits stattgefunden. Für eine weitere Vitalzeichenkontrolle betreten sie gegen 15:00 Uhr sein Zimmer.

Herr Schmitz liegt im Bett und schaut aus dem Fenster.

Mögliche Formulierungen und Fragen von Herrn Fritsch:

„Hören die Schmerzen den niemals auf?“

„Sind die Schmerzen normal?“

„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich hier keiner ernst nimmt.“

Situations-merkmale

Zielgruppe

  • Menschen im Erwerbsalter (30 – 69 Jahre)

Setting

  • Akutklinik

Pflegeanlass

  • Kommunikations- / Informations-/ Beratungsbedarf
  • Schmerz (akut/chronisch)
  • chirurgischer Eingriff

Lernsequenzen

Sequenz 1 - Einführung in die Prüfungssituation

1 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • orientieren sich in der Prüfungssituation.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... bekommen eine erste Einführung in die Prüfung bzw. Übung (Ablauf, Organisation, Räumlichkeiten), dabei sollten sie noch nicht mit den Standardisierten Patient*innen (SP) ins Gespräch kommen Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
2 ... stellen Verständnisfragen zur Übungs- bzw. Prüfungssituation Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
3 ... bekommen direkt vor dem Beginn eine einführende Fallbeschreibung, um sich in die Situation eindenken / einfühlen zu können (s. Fall) Einzelgespräch

Sequenz 2 - Simulation

1 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • begrüßen Herrn Fritsch und wenden Möglichkeiten an, Herrn Fritsch 'zu vertrösten' und eine Abmachung für ein späteres Gespräch zu formulieren,
  • erkundigen sich über die Situation von Herrn Fritsch und reagieren situativ auf sein Verhalten und seine Bedürfnisse,
  • wenden Möglichkeiten der Interaktion an, die Ängste von Herrn Fritsch ernstzunehmen, auf die Ängste einzugehen und nach Möglichkeit durch entsprechende Informationen abzubauen,
  • geben Raum für Verständnis- und Rückfragen und verabschieden sich abschließend von Herrn Fritsch,
  • hören sich die Übergabe zu Herrn Fritsch durch den Frühdienst an und stellen ggf. Rückfragen,
  • erkundigen sich bei der Vitalzeichenkontrolle bei Herrn Fritsch nach seinem Befinden, fragen ihn nach Schmerzen bzw. gehen auf die Schmerzen ein,
  • informieren Herrn Fritsch über die Schmerzursache und Schmerzentstehung und sprechen Möglichkeiten der nicht-medikamentösen Schmerzbehandlung an,
  • geben Raum für Verständnis- und Rückfragen und verabschieden sich abschließend von Herrn Fritsch,
  • interpretieren die Bedürfnisse von Herrn Fritsch und gehen entsprechend darauf ein.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... befinden sich im Patient*innenzimmer von Frau Schmitz vor der Toilette und warten, bis die Klingel im Zimmer nebenan ertönt Simulationssituation (1) - wenn möglich mit Videoaufnahme
2 ... betreten, nachdem die Patient*innenklingel ertönt, das erste Mal das Zimmer von Herrn Fritsch Simulationssituation (1)
3 ... gehen auf die Situation von Herrn Fritsch entsprechend ein (Fokus: Vertrösten, Abmachung formulieren, z.B. "Ich muss mich kurz um eine andere Patientin kümmern, anschließend komme ich wieder zu Ihnen.") und gehen zurück zu Frau Schmitz - falls diese in der Situation vergessen wird, kann durch ein Klingeln oder Rufen auf sie aufmerksam gemacht werden Simulationssituation (1)
4 ... betreten erneut das Zimmer von Herrn Fritsch und reagieren auf seine Wünsche und Anliegen (Fokus: Ängste erkennen und darauf eingehen) - mögliche Aussagen / Formulierungen von Herrn Fritsch finden sich in der Falldarstellung und können auch erweitert werden Simulationssituation (2)
5 ... verlassen nach Abschluss des Gesprächs das Zimmer Simulationssituation (2)
6 ... bekommen eine kurze Übergabe / Einführung für die nächste Situation (s. Falldarstellung) Simulationssituation (3)
7 ... betreten für eine Vitalzeichenkontrolle das Zimmer von Herrn Fritsch und reagieren wiederum auf die Situation und das Anliegen des Patienten (Fokus: Schmerzen ernst nehmen) Simulationssituation (3)
8 ... verlassen nach Abschluss der Situation das Zimmer und beenden dadurch die Übung / Prüfung Simulationssituation (3)
9 ... üben / probieren die Situationen, wenn es sich nicht um eine Prüfung handelt, möglichst mehrmals - nach jeder Übung holen sie sich ein Feedback aus unterschiedlichen Perspektiven ein

Sequenz 3 - Situationsnachbesprechung und Reflexion

1 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • rekonstruieren die Umsetzung der Simulation und gleichen sie jeweils mit den erarbeiteten Regeln und Normen zu gelungener Interaktion aus vorangegangenen Unterrichten ab,
  • hören sich die Rückmeldung der Lehrer*innen und der Standardisierter Patientin / des Standardisierter Patienten (SP) an, stellen ggf. Rückfragen und notieren regelgeleitete Erkenntnisse,
  • beschreiben rückblickend ihre eigenen Reaktionen und Gedanken zu den jeweiligen Simulationssituationen,
  • betrachten die Interaktions- und Verständigungsprozesse mit der / dem SP in den drei Simulationssituationen,
  • identifizieren ihre persönlichen Stärken und Schwächen und suchen ggf. individuell geeignete Ansätze zur Veränderung,
  • identifizieren ausgehend von der Prüfung / Übung individuelle Lernziele für den weiteren Ausbildungsverlauf.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... äußern ihre Eindrücke und stellen aus ihrer Sicht dar, ob ihre Ziele erreicht wurden, identifizieren dabei Stärken und Schwächen Situationsnachbesprechung
2 ... erfahren im Zuge der Nachbesprechung eine detaillierte Rückmeldung hinsichtlich der Bewertungen der beiden Prüfer*innen unter Einbeziehung der Rückmeldung der / des SP - dabei können einzelne Szenen / Momente nochmal aufgegriffen (oder gezeigt) werden mglst. mit Rückgriff auf die Videodokumentation (idealerweise mit Rückmeldung durch SP)
3 ... formulieren ausgehend von der Übung / Prüfung und den unterschiedlichen Rückmeldungen individuelle Lernziele für den weiteren Ausbildungsverlauf

Hinweise zur Unterrichts-vorbereitung

Voraussetzungen, Weiterführungen, Alternativen

Voraussetzungen

Anhang

Entwicklung


Dokumente

Literatur

  • Arthur, D. (1999): Assessing nursing students’ basic communication and interviewing skills: the development and testing of a rating scale. Journal of Advanced Nursing, 29 (3), 658–665.
  • Back, A. L.; Arnold, R. M.; Baile, W.;  Tulsky, J. A.; Fryer-Edwards, K. (2005): Approaching Difficult Communication Tasks in Oncology. CA: A Cancer Journal for Clinicians, (5), 164–177.
  • Nestel, D.; Bearman, M. (Hrsg.) (2015): Simulated patient methodology: theory, evidence, and practice. Chichester, West Sussex ; Hoboken, NJ: John Wiley & Sons Inc.
  • Radziej, K.; Loechner J.; Engerer, C.;  Niglio de Figueiredo, M.; Freund, J.; Sattel, H.; Bachmann, C.; Berberat, P.O.;  Dinkel, A.; Wuensch, A. (2017): How to assess communication skills? Development of the rating scale ComOn Check: Evaluation of communication skills. Medical Education Online, 22 (1).
  • Ryan, C. A.; Walshe, N.; Gaffney, R.; Shanks, A.; Burgoyne, L.; Wiskin, C. M. (2010): Using standardized patients to assess communication skills in medical and nursing students. BMC medical education, 10 (1).
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