Durch Verlaufskurven begleiten

Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit chronischen Erkankungen - hier vorgeschlagen: chronische Erkrankungen, die die Beweglichkeit einschränken - professionell unterstützen und informieren, den Pflegeprozess orientiert am Verlaufskurven-/ Trajektmodell (Corbin & Strauss, 2010) organisieren und durchführen

Gliederung

Der Fall

In Sequenz 4 sollen exemplarisch ausgewählte Fallbeschreibungen bearbeitet werden, die sich auf die Situation von Menschen beziehen, die chronisch erkrankt und dadurch vor allem auch in ihrer Beweglichkeit deutlich eingeschränkt sind. Hierbei sollte ein Bezug zu den in Sequenz 2 bearbeiteten Krankheitsbildern hergestellt werden – Multiple Sklerose, Morbus Parkinson sowie chronische Arthritis. Dieser Fallbezug kann über unterschiedliche Quellen (Text, Film, Podcast, …) hergestellt werden – grundsätzlich wäre es auch denkbar, dass die Lernenden die Fallsituationen z. B. mit Hilfe eines biografischen Interviews selbst in der Praxis erheben und damit die Verknüpfung zur Lernsituation –> Henriette Schulz deutlich wird. Sinnvoll sollten alle drei in Sequenz 2 betrachteten Krankheitsbilder durch mindestens eine Fallbearbeitung in ihrem Einfluss auf die Lebenswelt betrachtet werden.

Geeignete Fallsituationen finden sich z. B. in den folgenden Quellen:
• Videointerview Christel Schubert (Polyarthrose) auf  www.krankheitserfahrungen.de (November 2018)
• Familie Jorgenson (chronische Polyarthritis) in Corbin & Strauss, 2010  (214 ff.)
• Familie Lawson (Morbus Parkinson) in Corbin & Strauss, 2010 (256 ff.)
• 37 Grad – Dokumentation über Fred Fesl und Gisela Steinert (Morbus Parkinson) von Anette Baumeister
• 37 Grad: Außer Kontrolle – Leben mit Parkinson (Anschlussdokumentation) von Anette Baumeister
• 37 Grad: Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson. Dokumentation über Ottfried Fischer von Andrea Schramm und Jana Matthes
• Interview (Text) Maria Hoffmann (Multiple Sklerose) auf www.krankheitserfahrungen.de (November 2018)
• Interview (Text) Britta Eyfried (Multiple Sklerose) auf  www.krankheitserfahrungen.de (November 2018)

Situations-merkmale

Zielgruppe

  • junge Erwachsene (19 – 29 Jahre)
  • Menschen im Erwerbsalter (30 – 69 Jahre)
  • ältere Menschen (ab 70 Jahre)
  • Pflegende / Lernende selbst

Setting

  • auf mehrere bezogen oder nicht näher bestimmt

Pflegeanlass

  • Einschränkungen in der Mobilität
  • Unterstützungsbedarf in der Lebensgestaltung / sozialen Teilhabe
  • Kommunikations- / Informations-/ Beratungsbedarf
  • Schmerz (akut/chronisch)
  • chronische Erkrankung

Lernsequenzen

Sequenz 1 - Erlebnisse und Erfahrungen mit chronisch kranken Menschen

1 Std. (davon Kommunikation: - Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • entwickeln Lernfragen, ausgehend von ihren bisherigen Erfahrungen mit Menschen mit chronischen Erkrankungen,
  • tauschen sich aus über ihre Präkonzepte und Begegnungen mit chronisch kranken Menschen, die z. B. durch Morbus Parkinson, chronische Polyarthritis oder Multiple Sklerose (MS) eingeschränkt sind.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... erinnern sich an Erfahrungen in der (pflegerischen) Begegnung mit Menschen, die in ihrer Beweglichkeit erheblich eingeschränkt sind, z. B. weil sie an Morbus Parkinson, chronischer Polyarthritis (CP) oder MS erkrankt sind Schritt 1 und 2: Kleingruppenarbeit mit gezieltem, den Gedankenaustausch und das Vorverständnis aktivierendem Arbeitsauftrag
2 ... tauschen sich in ihren Kleingruppen zu ihren Erfahrungen aus und halten relevante Aspekte fachspezifisch differenziert fest Moderationskarten - drei Farben: medizinisch, pflegerisch und sozialwissenschaftlich/ individualpsychologisch
3 ... stellen ihre Erfahrungen systematisierend vor Präsentation mit Anordnung auf fachspezifisch differenzierten Wandzeitungen
4 ... formulieren gemeinsame Lernfragen und halten diese fest Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch - Dokumentation auf einer weiteren Wandzeitung
5 ... lernen den Ablauf der Lernsituation kennen und ordnen Erfahrungen sowie Lernfragen zu Lehrer*invortrag

Sequenz 2 - Vergleichende Erarbeitung der Krankheitslehre und der Pflege von Menschen mit chronischen Erkrankungen, die sich einschränkend auf die Bewegungsmöglichkeiten auswirken

18 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • aktivieren und strukturieren ihr Vorwissen zur Anatomie/ Physiologie des Bewegungsapparates bzw. der Bewegungssteuerung, des zentralen Nervensystems sowie der Nervenerregung/ -leitung so, dass neue Wissenszusammenhänge gut integriert werden können,
  • definieren Kriterien für gutes, fachlich abgesichertes Wissen in den entsprechenden Fachdisziplinen und orientieren sich daran für ihre Recherche und die Rezeption von Rechercheergebnissen,
  • organisieren ihren Lernprozess weitgehend selbstständig im Austausch mit anderen Lernenden,
  • erklären die Pathophysiologie, die Symptomatik, die Diagnostik, die Grundpfeiler der Therapie und die Besonderheiten für die Pflege von Menschen mit Multipler Sklerose (MS), Morbus Parkinson und chronischer Polyarthritis in einer vergleichenden Gegenüberstellung,
  • vergleichen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Krankheitsbilder, insbesondere hinsichtlich der Konsequenzen für die Lebensqualität der Betroffenen und die pflegerische Versorgung,
  • systematisieren die jeweils besonderen Anforderungen an die pflegerische Interaktion vor dem Hintergrund der jeweiligen Bewegungsmuster und -einschränkungen,
  • verständigen sich über die Gedanken und Gefühle, die die krankheitsbedingten Einschränkungen sowie die sich damit ergebenden Anforderungen an die Interaktionsgestaltung jeweils bei ihnen auslösen,
  • reflektieren am Beispiel von Anforderungen, die sich aus den Erkrankungen für die pflegerische Interaktion ergeben, die Widersprüche zwischen normativen Einstellungen ("Ansprüche an gute Pflege") und inneren, emotional-/ erfahrungsbedingten Widerständen.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... aktivieren ihr Vorwissen zu den Themen Anatomie / Physiologie des Bewegungsapparates bzw. der Bewegungssteuerung des zentralen Nervensystems sowie der Nervenerregung/ -leitung Mind map-Gestaltung in Kleingruppen -> mögliche Struktur: Welche Themen weiß ich sicher? Mit welchen Themen bin ich mir unsicher? Was weiß ich noch nicht <- Alternative: Strukturlegen bzw. Wissenstest/ -quiz zur Selbstkorrektur
2 ... definieren Kriterien für die Qualität des in den darauffolgenden Schritten zu erarbeitenden Wissens Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch mit Ergebnisdokumentation als Leitfaden/ Kriterienkatalog für die weitere Erarbeitung
3 ... recherchieren Pathophysiologie, Symptomatik, Diagnostik, Grundpfeiler der Therapie sowie abgeleitete Konsequenzen für die Lebensgestaltung und die Besonderheiten für die Pflege bei MS (1), Morbus Parkinson (2) oder rheumatoider Arthritis/ chronischer Polyarthritis (3) und integrieren auch ihre bereits formulierten Lernfragen aus Sequenz 1 in ihre Recherche Recherche (1-3) in arbeitsteiligen Kleingruppen (drei oder sechs Gruppen)
4 ... gestalten in Rücksprache mit der/ dem Lehrerenden ein Handout zur Veranschaulichung der recherchierten Arbeitsergebnisse Gestaltung Handout - Lehrperson sollte möglichst über einen medizinischen Fachbezug (Medizin/ Medizinpäda-gogik) verfügen - in Kleingruppenarbeit
5 ... bilden Expert*innengruppen und präsentieren in ihren neu gebildeten Gruppen ihre recherchierten Arbeitsergebnisse mit ihrem Handout; erfahren Nachfragen und kriteriengeleitete (Schritt 2) Rückmeldungen Expert*innengruppen im Sinne eines Gruppenpuzzles
6 ... halten in ihren Expert*innengruppen offene Fragen und ggf. identifizierte Schwachstellen fest und recherchieren diese - soweit erforderlich - ergänzend Expert*innengruppen, ggf. Recherche
7 ... bringen ihre Erfahrungen aus den Expert*innengruppen im Plenum ein, formulieren die aufgekommenen Fragen und ihre recherchierten Antworten dazu und erfahren/ geben endgültige Rückmeldungen zur Qualität des erarbeiteten Wissens Kurzpräsentation, Lehrer*in-Schüler*innengespräch - kriteriengeleitete Rückmeldung zu den vorgetragenen Lernergebnissen
8 ... diskutieren im Plenum die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der drei Erkrankungen und halten diese in einer Tabelle fest Diskussion im Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
9 ... fokussieren insbesondere die pflegerischen Bezüge in dem im vorangegangenen Schritt erfolgten Vergleich und benennen genau, welche Interventionen/ Pflegemaßnahmen und welche inneren Haltungen in der pflegerischen Interak-tion in der Begegnung mit Menschen, die an chronischer Polyarthritis, Morbus Parkinson bzw. MS erkrankt sind, jeweils besonders stark gefordert sind (gegenüber starken, chronischen Schmerzen, im Umgang mit Langsamkeit, im Umgang mit erhöhten, kräfteschonenden Ansprüchen)
10 ... tauschen sich darüber aus, welche Gedanken und Gefühle diese Anforderungen bei ihnen auslösen und welche Haltung sie eher gerne und leicht und welche sie eher mit Widerwillen einnehmen Sammlung auf Karten/ Flipchart im Plenum oder in nach dem Prinzip des Gruppenpuzzles zusammengesetzten Kleingruppen

Sequenz 3 - Einführung in die qualitative Pflegeforschung am Beispiel des Verlaufskurven-/ Trajektmodells von Corbin & Strauss

12 Std. (davon Kommunikation: 2 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • nennen und identifizieren Eckpfeiler der qualitativen Pflegeforschung, z. B. Fragestellung, Zielgruppe, Rolle der Forschenden, Relevanz des Themas, Methodik, Datenerhebung, Datenverarbeitung, am Beispiel der Studie/ Publikation "Weiterleben lernen" von Corbin & Strauss sowie ggf. die Kerngedanken der Grounded Theory,
  • erläutern die drei Phasen zu Beginn des Diagnoseprozesses bei einer chronischen Erkrankung mit ihren jeweiligen Charakteristika (Corbin & Strauss, Weiterleben lernen, Kapitel 2),
  • erklären die dynamische Entwicklung des Pflegebedarfs parallel zum Verlauf einer chronischen Erkrankung,
  • erklären und visualisieren Prinzipien, Ziele und Formen der Erarbeitung von Krankheitsverlaufskurven mit den dadurch erfassten Inhalten - Kurvenverlauf, Behandlungsplan, Gesamtorganisation und Belastung der Beteiligten - an einem Fallbeispiel (Kapitel 3),
  • erläutern den Nutzen einer Erarbeitung von Krankheitsverlaufskurven,
  • erläutern zentrale Kernaussagen zur biografischen Köper- und Selbstkonzeption und visualisieren sie in einem Schaubild (Kapitel 4),
  • erklären die Forschungslogik und das Vorgehen im Forschungsprozess und rekonstruieren damit die Forschungsmatrix (Kapitel 5),
  • fassen Kernaussagen zu Formen und Möglichkeiten der Bewältigung chronischer Erkrankungen zusammen - Arbeit/ Arbeitslinie, Verpflichtungen und Ressourcen - und erläutern sie an einem Fallbeispiel aus dem Text (Kapitel 6),
  • erklären die Bedingungsanalyse an einem Fallbeispiel aus dem Text und gehen dabei im Besonderen auf die Themen der Interaktion und Ausrichtung ein (Kapitel 7),
  • bringen ihr inneres Körperbild in einem Gestaltungsprozess zum Ausdruck - "Körperbild/ -skulptur" - tauschen sich zum Prozess und über Deutungsansätze zu ihren Gestaltungen aus und entwickeln so einen Ansatzpunkt, um sich unterschiedlichen Vorstellungen vom Körper bzw. Leib-Körperbildern zu nähern,
  • entwickeln anhand des Gestaltungsprozesses und Gedankenaustauschs zu den "Körperbildern/ -skulpturen" einen nachvollziehenden Zugang zu theoretischen Begriffen wie "biographische Körperkonzeption", "Selbstkonzeption" und "Performanz",
  • beziehen zu Bedeutung und Sinn von qualitativer Forschung - in der Pflege/ für die Pflege - persönlich Stellung und fassen ihre Erfahrungen im gesamten Lernprozess dieser Sequenz in einer Wandzeitung zusammen.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... aktivieren ihr Vorwissen zu den Ansätzen der Pflegeforschung und erweitern ihre Kenntnisse um Besonderheiten der qualitativen Forschung Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch, Lehrer*inkurzvortrag
2 ... entwickeln eine Vorstellung vom Ansatz der Studie von Corbin & Strauss - Anliegen, Vorgehen, Kerngedanken der Grounded Theory - und informieren sich zur Gliederungsstruktur und den Schwerpunktthemen der verschiedenen Kapitel in der Studie Lehrer*invortrag
3 ... lesen Kapitel 2, "Anfang und Diagnose einer chronischen Krankheit", erarbeiten es sich gemeinsam im Unterrichtsgespräch, halten Lern- und Verständnisfragen fest und versuchen gemeinsam Antworten darauf zu finden Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch - evtl. Kapitel 2 in gekürzter Fassung ausgeben
4 ... lesen eine Zusammenfassung von Kapitel 3, klären zentrale Fachbegriffe und Verständnisfragen, erarbeiten sich die einzelnen Phasen ("Krankheitsverlauf"), visualisieren ihr Ergebnis auf einem Flipchartpapier (x = Lebensverlauf, y = subjektive Schwere oder Dependenz) und zeichnen den möglichen Pflegebedarf parallel zum Krankheitsverlauf in die Grafik ein Einzelarbeit -> Kleingruppenarbeit, gelenkt durch Arbeitsauftrag
5 ... vergleichen und diskutieren die erarbeiteten Verlaufskurven und diskutieren hierzu die Bedeutung von Lebensqualität für sie selbst als Pflegende und für die Betroffenen und ihre Angehörigen Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
6 ... erarbeiten sich die Kapitel 4 bis 7 und ergänzen dabei weiterführende Fragen und Diskussionsaspekte, die sich auf mögliche zukünftige berufliche Arbeitsituationen mit chronisch kranken Menschen beziehen, entwickeln eine Präsentation ihrer Arbeitsergebnisse in frei gewählter Form Selbsterarbeitungsphase -> arbeitsteilige Kleingruppenarbeit mit differenzierten Arbeitsaufträgen (vgl. Schritt 14-17)
7 ... stellen ihre Arbeitsergebnisse vor bzw. rezipieren die Vorstellungen der Ergebnisse der anderen Gruppen Präsentation im Plenum
8 ... führen in Verbindung mit der Vorstellung von Kapitel 4 eine Übung zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild durch Schritt 8-14 (a-e): Anleitung der Übung und Moderation des Gedankenaustauschs durch die Lehrperson
9 … (a) führen eine körperbezogene Wahrnehmungsübung durch, um den eigenen Körper in seiner Gesamtheit und in Abgrenzung zur Umwelt stärker wahrnehmen zu können Verteilung der Lernenden auf individuelle Wohlfühlplätze im Raum (liegend oder sitzend mit gutem Bodenkontakt der Fußsohlen), Anleitung zur Körperreise oder progressiven Muskelentspannung, die Instruktion zu Schritt 10 (b) sollte vorher gegeben werden und die Lernenden sollten ohne Unterbrechung zu diesem Teil der Übung übergehen können
10 … (b) formen im unmittelbaren Anschluss mit geschlossenen Augen das Bild eines menschlichen Körpers gestalterische Einzelarbeit mit Ton (möglichst Drehton, da glatter und weicher) oder (Therapie-)Knete - Lehrer*in fördert eine ruhige Arbeitsatmosphäre
11 … (c) tauschen sich über ihre unterschiedlichen Arbeiten und ihre individuellen Erfahrungen mit der Durchführung des Auftrags aus: Wie ist es mir mit der Entspannungsübung ergangen, gab es Unterschiede in der Wahrnehmung einzelner Körperregionen? Wieviel von mir und von der Wahrnehmung spiegelt die kleine Plastik wider? Partner*innengespräche -> Kreisgespräch
12 … (d) tauschen sich im Anschluss über ihre Arbeits- und Erfahrungsprozesse auf einer abstrakteren Ebene aus: Welche Erfahrungen habe ich mit der gesamten Übung gemacht? Wie soll die Körperreise/ Muskelentspannung nach Jacobsen wirken, welche tatsächlichen Wirkungen wurden festgestellt? Wie entsteht unser inneres Körperbild, wie kann es gelingen, dass die Figuren trotz fehlender Kontrolle durch den Sehsinn ein Bild vom Menschen wiedergeben? Wie nehmen wir unseren Körper wahr? Kreisgespräch
13 … (e) sammeln Ideen, welche Einflüsse die Körperwahr-nehmung/ das Körperempfinden verändern oder verzerren können Kreisgespräch
14 … (f) rezipieren die Zusammenfassung von Kapitel 4, visualisieren, wenn ergänzend erforderlich, die Kernaus-sagen und eine mögliche Grafik/ Schaubild zum Kapitel "Biografische Körperkonzeption, Selbstkonzeption bei einer chronischen Krankheit" und verbinden ihre "Körperbilder / -skulpturen" und die dabei gemachten Erfahrungen mit den bei der Lektüre gewonnenen Erkenntnissen aus der Studie Präsentation und Diskussion der Kleingruppenarbeit im Plenum/ Kreisgespräch
15 ... vollziehen den Forschungsprozess mit Hilfe der Zusammenfassung von Kapitel 5 nach, rekonstruieren die Forschungsmatrix und visualisieren den Text bzw. den Prozess Kleingruppenarbeit bzw. Präsentation der Kleingruppenarbeit zu Kapitel 5
16 ... verdeutlichen zusammengefasst die wesentlichen Inhalte des Kapitels 6 am Beispiel von Clara und Paul (2010, 112 ff) - Arbeit und Arbeitslinien - krankheitsbezogen, biografisch auf das Alltagsleben bezogen - Verpflichtung und Ressourcen Kleingruppenarbeit bzw. Präsentation der Kleingruppenarbeit zu Kapitel 6
17 ... erläutern die Bedingungsanalyse am Fallbeispiel von Helen und Tom (2010, Kapitel 7, 150 ff), zentrale Themen sind hierbei die Interaktion in der Partnerschaft und die Ausrichtung, Neuausrichtung und Fehlausrichtung im Krankheitsverlauf Kleingruppenarbeit bzw. Präsentation der Kleingruppenarbeit zu Kapitel 7
18 ... fassen die Lernsequenz zusammen und diskutieren den Sinn des erarbeiteten Pflegemodells und einer qualitativen Forschung (für die Pflege) Evaluation im Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch und/ oder z. B. durch ein stummes Gespräch auf einer gemeinsam entwickelten Wandzeitung/ Tischdecke oder auch ein anderes geeignetes Evaluationsverfahren

Sequenz 4 - Fallverstehen als Teil des pflegediagnostischen Prozesses sowie die pflegerische Interaktion mit Hilfe des Verlaufskurven-/ Trajektmodells praxisbezogen entwickeln

12 Std. (davon Kommunikation: 2 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • erläutern in Anlehnung an das Trajektmodell Phasen, in denen Menschen ein hohes bzw. niedriges Informationsbedürfnis haben könnten,
  • identifizieren und erklären die medizinisch-pflegerischen Aspekte in Bezug auf Bewegung und medikamentöse Therapie in den zu bearbeitenden Fallsituationen,
  • entwickeln und visualisieren zu einer Fallsituation die individuelle Verlaufskurve im Auseinandersetzungsprozess mit einer chronischen Erkrankung,
  • identifizieren hilfreiche pflegebezogene Unterstützungsangebote und Interventionen, die individuell auf die jeweiligen Patient*innen und deren Angehörige abgestimmt sind,
  • entwickeln fallbezogen Ansatzpunkte und Ideen für die Konzeption von integrierten Versorgungsprozessen zur Unterstützung der chronisch erkrankten Menschen und ihrer Angehörigen,
  • bestimmen in den Fallsituationen die Momente der Veränderung des Informationsbedürfnisses von Menschen mit chronischen Erkrankungen im zeitlichen Verlauf,
  • verständigen sich über ihre Arbeitsergebnisse in Form einer Fallbesprechung im Plenum und erweitern ggf. ihre Ergebnisse.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... erinnern sich an ihre biografischen Interviews aus der Lernsituation --> Henriette Schulz, schaffen dadurch einen Bezug für eine mögliche Anamnese von Menschen mit chronischen Erkankungen Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
2 ... eignen sich die unterschiedlichen Fälle in ihren Gruppen an, indem sie die vorliegenden Daten ordnen und sich dabei an den in Sequenz 3 erarbeiteten Kriterien und Begriffen des Verlaufskurven-/ Trajektmodells orientieren Schritt 2-7: Gruppenarbeit - mindestens drei Fälle/ Situationen zu jeweils einem Krankheitsbild <- siehe Informationen Fall/ Fälle
3 … entwickeln und visualisieren, soweit wie die vorliegenden Daten dies hergeben, fallbezogen den Verlauf der Krankheitsentwicklung und der Bewältigungsformen durch die Erkrankten und ihrer Angehörigen
4 ... identifizieren, soweit die vorliegenden Daten das hergeben, die medizinisch-pflegerischen Aspekte in Bezug auf Bewegung und medikamentöse Therapie
5 ... entwickeln Pflegeangebote, die für die chronisch kranken Menschen und deren Angehörigen hilfreich sein könnten und bestimmen Anknüpfungspunkte für einen integrierten Versorgungsprozess aus der Perspektive der Pflege
6 ... leiten vor dem Hintergrund des Trajektmodells Grundsätze für die Information von zu pflegenden Menschen und ihrer Angehörigen in den unterschiedlichen Phasen einer chronischen Erkrankung ab und überprüfen/ belegen/ falsifizieren diese anhand ihres Fallbeispiels
7 ... stellen ihre Fälle sowie ihre Arbeitsergebnisse in Form einer Fallbesprechung im Klassenverband vor, stellen bzw. beantworten im Anschluss an die Präsentationen jeweils Verständnisfragen, geben und nehmen ein konstruktives Feedback, diskutieren die Situation im Fall aus unterschiedli-chen Fachperspektiven und erweitern ihre Arbeitsergebnisse gegebenenfalls in der Plenumsdiskussion bzw. im Anschluss Präsentation - Feedbackrunde - Falldiskussion <- möglichst im Teamteaching: Pflege - Medizin - ggf. Sozialwissenschaft

Sequenz 5 - "Die zu betreuende Person als Expertin/ Experten für die Krankheit anerkennen" - Reflexion aus der Perspektive der Pflegenden

1 Std. (davon Kommunikation: 1 Std.)

didaktisch inhaltliche Zuordnung

Die Lernenden...

  • fassen die Inhalte der vorangegangenen Lernsequenzen zusammen,
  • sammeln Gründe, warum Pflegekräfte Menschen mit chronischen Erkrankungen häufig als anstrengend - "nervig" - empfinden,
  • entwickeln Hypothesen, warum chronisch kranke Menschen fordernde Verhaltensweisen entwickeln,
  • entwickeln Ideen, wie professionell Pflegende sich vor aufkommenden emotionalen Abwehrreaktionen schützen bzw. sich gegenseitig unterstützen können,
  • reflektieren das Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, professionell Unterstützung anzubieten und dem gleichzeitigen Bedürfnis, sich gegenüber Leid und Anspruchshaltung abzugrenzen bzw. sogar ablehnende und genervte Reaktionsmuster bei sich selbst wahrzunehmen.

didaktisch methodischer Verlauf

Die Lernenden... Methodik
1 ... betrachten und ergänzen die in Sequenz 2, Schritt 9, benannten Anforderungen an die pflegerische Interaktion und die in Schritt 10 dazu gefundenen persönlichen Stellungnahmen Lehrer*in-Schüler*innen-Gespräch
2 ... betrachten daraufhin die im Unterrichtsverlauf erstellten Wandzeitungen und wiederholen gemeinsam die Eckpfeiler der vorangegangenen Sequenzen Einzel-/ Partner*innenarbeit
3 ... überlegen sich zu der provokativ in den Raum gestellten Frage "Warum müssen chronisch kranke Menschen im Krankenhaus immer nerven?" mögliche Antworten und halten diese auf Moderationskarten fest Projektion/ Anschrieb der Provokation - Einzelarbeit (möglichst still und ohne vorhergehende Diskussion), Antworten auf Moderationskarten festhalten und anonym einsammeln und mit Clusterbildung aufhängen
4 ... diskutieren die in Clustern herausgearbeiteten Gründe sowie die sich ergebenden Positionen zur Fragestellung, arbeiten sich abzeichnende innere Widersprüche der Pflegenden heraus und leiten demgegenüber einen aus dieser Lernsituation resultierenden fachlich begründeten Anspruch an die Haltung von Pflegenden in einer professio-nellen Begegnung mit chronisch kranken Menschen her gelenkte Diskussion
5 ... sammeln im Spannungsfeld zwischen spontanen emotionalen Reaktionen und professionellem Anspruch Vorschläge zu der Frage "Wie kann ich als professionell Pflegende*r chronisch kranke Menschen wertschätzend unterstützen und mich gleichzeitig innerlich oder auch äußerlich abgrenzen?" und clustern diese Brainstorming - clustern
6 ... diskutieren ihre unterschiedlichen Vorschläge, erinnern/ integrieren hierzu bereits erarbeitetes Vorwissen zu Möglichkeiten der Affekt- und Stressregulation und leiten möglichst konkrete Handlungsempfehlungen ab, z. B. auf bestimmte Einsatzorte und Handlungsfelder bezogen gelenkte Diskussion im Plenum

Hinweise zur Unterrichts-vorbereitung

Voraussetzungen, Weiterführungen, Alternativen

Voraussetzungen


Weiterführungen


Parallelen

Anhang

Entwicklung


Dokumente

Literatur

  • Corbin, J. M.; Strauss, A. L. (2010): Weiterleben lernen. Verlauf und Bewältigung chronischer Krankheit. 3. überarbeitete Auflage. Bern: Huber.
  • Haslbeck, J.; Schaeffer, D. (2007): Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit. Geschichte, Konzept und Herausforderungen. In: Pflege, 20 (2), 82-92.
  • Joraschky, P.;  Arnim, A. v.; Joraschky-Loew-Röhricht, Th. (Hrsg.). (2009): Körpererleben und Körperbild. Ein Handbuch zur Diagnostik. Stuttgart: Schattauer.
  • Pfeffer, S. (2010): Krankheit und Biographie: Bewältigung von chronischer Krankheit und Lebensorientierung. Wiesbaden: VS.
  • Prinzen, L. (2008): Bewältigungsarbeit chronisch erkrankter Menschen beim Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Weiterversorgung. Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW). Online: 10.4126/38m-005900367,https://repository.publisso.de/resource/frl:5900367 (7. Juni 2018).
  • Schaeffer, D. (Hrsg) (2009): Bewältigung chronischer Krankheit im Lebenslauf. Bern: Huber.
  • Schaeffer, D.; Moers, M. (2008): Überlebensstrategien – ein Phasenmodell zum Charakter des Bewältigungshandelns chronischer Erkrankter. Pflege & Gesellschaft, 13 (1), 6-31.
  • Schaeffer, D.; Moers, M. (2011): Bewältigung chronischer Krankheiten – Herausforderungen für die Pflege. In: Schaeffer, D.; Wingenfeld, K. (Hrsg.). Handbuch Pflegewissenschaft. Weinheim: Juventa, 329-363.
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